Freitag, 4. März 2011

Unsortierte Gedanken zu historischen Vorstellung über die Seele/Geist/Lebenskraft

„Das Descartsche Modell für den ‚Lebensgeist‘: Hält ein Mann seinen Fuß zu nah am Feuer (A), dringt die Energie durch die Haut (B) ein. Eine dünne Leitung (c) gerät dadurch in Bewegung. So gelangt die Information zu dem ‚Lebensgeist‘ (F), der im Gehirn lokalisiert ist.“ Zitiert nach: Miketta, Gaby (1991): Netzwerk Mensch. Psychoneuroimmunologie: Den Verbindungen von Körper und Seele auf der Spur. Eine neue Wissenschaft revolutioniert unser Weltbild. Stuttgart: Georg Thieme Verlag. S. 13 (Fußnote)

Jetzt placken sich die Denker seit der Antike damit ab, das was wir "Seele" nennen (und damit durch die Jahre auch Geist, Bewusstsein, Denken, Unbewusstes, Vernunft, Emotionen usw. meinen), näher zu bestimmen und dann kommen die Materialisten und sagen: Interessiert uns nicht! Schluss mit der Metaphysik, es ist müßig, über etwas zu sprechen, das sich nicht im Experiment nachweisen lässt. Obwohl man bedenken muss, dass der Begriff der Seele in der Geschichte viele verschiedene Zuschreibungen erfahren hat, er wurde immer wieder umgedeutet und bezeichnete aber immer etwas Unsichtbares und Ungreifbares, das die Existenz des Menschen bestimmt. Helmholtz' Lehrer, der bekannte Physiologe Johannes Müller, war lange Zeit ein Vertreter des Vitalismus. Der Vitalismus trennte zwischen dem Organischen und Anorganischen, wobei angenommen wurde, dass das Organische von einer Lebenskraft oder vis vitalis durchflossen sei. Man könnte diese Lebenskraft mit dem sogenannten "Qi" in der fernöstlichen Lehre vergleichen. Galvani glaubte ja noch bei seinen Experimenten, bei denen er Frösche mit Stromstößen traktierte, diese Lebenskraft gefunden zu haben. Das Nervensystem ist das Bindeglied, denn im Gehirn wurde schon in der Antike der Sitz der Seele vermutet. Zwar glaubte Aristoteles, dieser Sitz müsste das Herz sein - diese Annahme hielt sich lange und ist bis heute als Metapher zu finden - jedoch Hippokrates und Galen und bereits 120 Jahre vorher Alkmaeon vermuteten selbiges in der grauen Masse. Im 17. Jahrhundert griff Descartes diese Denktradition auf und schrieb der Zirbeldrüse seelische Qualität zu. Das Nervensystem war im 16. Jahrhundert zwar schon bekannt, aber Descartes stellte es sich wie ein Rohrleitungssystem vor, durch den der Geist strömte. Diese Vorstellung hat er in der obigen Abbildung skizziert. Fortsetzung folgt...

Kommentare:

  1. Wichtig scheint mir zu sein, dass die Idee von der Lebenskraft sehr intuitiv ist und auch heute sicherlich sehr viele Menschen überzeugt. Wie sich Leben aus anorganischen Molekülen gebildet hat, in der Ursuppe, ist nicht einfach zu verstehen. Heute lässt sich das ansatzweise nachbauen. Auch Computersimulationen machen es möglich, etwas intuitiver zu erfassen, wie durch Zufall und Selektion allmählich so etwas wie ein sich selbst organisierendes System entsteht.

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  2. Der Mensch als "metaphysisches Wesen" scheint einen inneren Trieb zu haben sich über die Ursprünge allen SEINS Gedanken zu machen. Die Empiri kann sich dem nur im Rahmen der Erfahrungsgrenzen Erkenntnis verschaffen. Ab damit auch die Grenzen der Erkenntnisfähigkeit ausgeschöpft sind? Die griechischen Philosophen drangen gedanklich weit über die Grenzen der zu ihrer Zeit erfahrbaren "Welt" hinaus - mit Vorraussagen bis auf fast atomarer Ebene oder über das Verhalten von Menschen.

    Es bleibt abzuwarten ob komplexe Vorgänge wie der Versuch einer Systembeschreibung von Gehirnvorgängen in Manifestation Geist oder ICH sich theoretisch oder experimentell erfassen lassen. Momentan existiert kein wirklich valides komplexes Modell.

    Was bleibt? Der Versuch und die metaphysische Suche nach der "Seele" (vielleicht finden wir ja doch ein GottesGen ;-).

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